Leseempfehlungen des Monats

 Eine unvermeidliche Collage. Gedichte, meine alten Tagebücher und andere Projekte von  Marius Koity:

 In den Achtizigerjahren war es schwierig genug, in Rumänien zu leben. Noch schwieriger war es, Dichter zu sein und seine Werke zu veröffentlichen. Da konnte man gleich in den Verdacht der rumänischen Securitate gelangen, wie es auch bei Marius Koity der Fall war. Er hatte verschiedene Gedichte in der damaligen kulturellen Zeitschrift Neue Literatur veröffentlicht, was die Securitate prompt dazu veranlasste, eine sogenannte „nachrichtendienstliche Ermittlungsakte“ zu eröffnen;konkret hieß das, dass die Agenten der Securitate ihn verfolgten und schließlich auch bedrohten. Zu diesen Ereignissen schreibt der Autor in seinen damaligen Tagebüchern. Teile dieser Tagebücher und Erklärungen dazu findet man auch in Eine unvermeidliche Collage.

In erster Linie ist diese Collage aber ein Gedichtbuch. In einem minimalen, aber ausdrucksstarken Stil, der vergleichbar ist mit dem von Marin Sorescu, malt Koity ein nostalgisches Bild eines Ausgewanderten. Jedes Gedicht ist entweder eine Sekundenaufnahme oder eine ganze Geschichte an sich. Durch jede Zeile sickert die Sehnsucht nach Freiheit und zugleich der Schmerz der Entwurzelung aus dem eigenen Land, der endgültigen Trennung von jenem Ort, an dem alle unschätzbar wertvollen Erinnerungen zur Welt kamen.

Prima Monster oder Schafe zählen ist doof von Markus Heitz:

 Mia ist gar nicht müde, obwohl es schon Zeit zum Schlafen ist. Ihr Papa meint, sie könnten zusammen Schafe zählen bis sie einschläft, aber Mia lässt nicht nach. Denn Schafe zählen ist laaangweilig, sie sollten doch lieber Monster zählen! Da beginnt Papa mit dem ersten Monster… Bevor er weiterzählen kann, unterbricht ihn Mia mit Fragen: Sie will wissen, wie das Monster aussieht. Es muss auch unbedingt ein Mädchen sein, das aber nicht rosa sein darf! Einen Namen muss es auch haben. Langsam entsteht das Bild von Prima Monster. Mia und Prima besuchen zusammen die Monsterstadt.

Markus Heitz erzählt hier eine fantasievolle Gute-Nacht Geschichte für Kinder, die einfach einmal anders einschlafen wollen, als immer nur Schäfchen zu zählen. Joëlle Tourlonias Illustrationen beleben das Buch und führen den Leser direkt in die Monsterstadt, wo man bei Trötenkrötenflötenkonzerten mitmachen kann.

Außerdem wird Markus Heitz höchstpersönlich nach Temeswar kommen und aus Prima Monster vorlesen. Dabei wird es sich wieder um eine zweisprachige Lesung des deutschen Kulturzentrums handeln und der rumänische Text wird parallel zum deutschen vorgetragen. Am 20. November 2018 um 18:30 Uhr in der Buchhandlung der zwei Eulen ist es soweit! Ihr seid herzlich dazu eingeladen.

Pfaueninsel von Thomas Hettche:

Die Pfaueninsel liegt südwestlich von Berlin in der Havel und wurde im 18. Jahrhundert von den preußischen Monarchen Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. als königliches Refugium und Rückzugsort der Preußenkönige gestaltet. Diese Insel ist der Schauplatz des Romans von Thomas Hettche.

Pfaueninsel erzählt die Geschichte von der kleinwüchsigen Marie, die mit ihrem ebenfalls kleinwüchsigen Bruder Christian auf der Insel ihre Heimat finden. Sie wachsen als Teil der sogenannten Menagerie auf und werden von den adeligen Besuchern, die sich wie Zoobesucher aufführen, begafft und entmenschlicht.

Thomas Hettche lässt den Leser teilhaben an der Blütezeit der Pfaueninsel bis zu ihrem Untergang. Der Autor erzählt von der Würde des Menschen und dem Wesen der Zeit. Marie und ihr Bruder, ein Riese und ein Südseeinsulaner, werden wie die exotischen Tiere und Pflanzen für die adelige Gesellschaft zugerichtet. Gleichzeitig bleiben sie von den historischen Ereignissen jener Zeit weitestgehend isoliert. Was macht so ein Dasein mit einem Menschen? Die Insel ist ein Spiegel der feudalen Adelsgesellschaft und ihr Untergang zeigt sich eben auch am Ende der Pfaueninsel.

Pfaueninsel ist eine anspruchsvolle, aber reichhaltige Lektüre und definitiv einen Blick wert!

Tschick von Wolfgang Herrndorf

Maik ist vierzehn und hat gerade die siebte Klasse des Gymnasiums in Berlin überstanden. Ihm stehen nun zwei Wochen Sommerferien ohne seine Eltern bevor. Seine Mutter ist auf einer sogenannten „Schönheitsfarm“, so das familieninterne Wort für ihren regelmäßigen Alkoholentzug, und der Vater ist auf „Geschäftsreise“ mit seiner jungen und hübschen Assistentin. Somit ist Maik auf sich allein gestellt, bis Tschick plötzlich mit einem geklauten Lada angefahren kommt. Tschick, mit richtigem Namen Andrej Tschichatschow, ist neu in Maiks Klasse und in der Regel betrunken. Niemand weiß wirklich etwas über ihn, außer dass er angeblich aus Russland kommt und Verbindungen zur dortigen Mafia hält. Tschick hat beschlossen, dass er Maik mag und Maik, der keine anderen Freunde und keine besseren Ideen hat, beschließt mit Tschick in die Walachai zu fahren.

 

Tschick ist ein deutscher Coming-of-Age-Roman, der mit lustigen Dialogen und Situationen gespickt ist und dem doch eine Melancholie und Wehmut anhaftet. Ein schöner und lesenswerter Roman über das Erwachsenwerden und das Jungsein.

Alle hier vorgestellten Bücher können in unserer Bibliothek ausgeliehen werden. Von Montag bis Donnerstag von 12.00 – 18.00 Uhr und am Mittwoch sogar bis 19.00 Uhr sind Sie herzlich dazu eingeladen.

Für die vollständigen Buchtipps können Sie jeden Mittwoch zwischen 13.00 – 14.00 Uhr (auf 630 Khz MW) und zwischen 19.00 – 20.00 Uhr (auf 105,9 Mhz UKW) oder auf dem Livestream die deutsche Sendung des Radio Temeswar hören. Die Sendungen sind jederzeit online abrufbar.