Das Festival für performative Künste Temeswar (FAPT)

Das Festival für performative Künste Temeswar (FAPT) wurde 2015 als frisches und umfangreiches Ereignis ins Leben gerufen, vor allen Dingen durch eine Auswahl  internationaler Performances, von Künstlerinnen und Künstlern mit starken Diskursen – vorrangig aus dem zeitgenössischen Tanz. Die erste Ausgabe bot dem Publikum in erster Linie einen Moment der Reflexion über die jüngste Vergangenheit. 2016 stellte das Festival  autobiographische Themen, mit Bezug zur Fragilität und Gewalt im öffentlichen und privaten Raum, in den Mittelpunkt.

2017 bringt FAPT wieder Profis und Laien auf die Bühne. Es ist eine der bereits etablierten Ausrichtungen des FAPT – erinnern wir uns an „Collective Jumps“ von Isabelle Schad 2015  – in der sich professionelle Tänzer mit lokalen Akteuren zusammenschlossen. Dergleichen in der  Performance „School of Moon“ des Choreographen Eric Minh Cuong Castaing aus dem Jahr 2016, in welchem Kinder und Erwachsene unterschiedlichsten Alters zusammengearbeitet haben.

Dieses Jahr hat das Temeswarer Publikum die Möglichkeit einen Teil der Performance „Sacre du printemps“ (zu Deutsch “Das Frühlingsopfer”) zu werden, die von einer der wichtigsten Choreographinnen des zeitgenössischen Tanzes, Pina Bausch, erdacht wurde. „Sacre du printemps“ wird in der Neugestaltung von Roger Bernat zur Aufführung gebracht. Im Rahmen des Festivals findet eine weitere Vorstellung des Regisseures Bernat statt und zwar „Domini Public“, in welcher die Zuschauer ebenfalls Protagonisten sind. „Domini Public“ ist eine choreografische Aktion, die sich ständig verändert, sowohl durch die Optionen der Teilnehmer, als auch durch die sozialen und historischen Strukturen des Ortes.

Was bedeutet die soziale Dimension des Raumes, das Widersprüchliche,  sind Fragen, denen Simona Deaconescu in der Aufführung „Counterbody“ folgt. Acht energische Tänzer eröffnen das FAPT 2017 mit dieser sehr visuellen Aufführung.

Die Zusammenarbeit von Jefta van Dinther und Thiago Granato für „This is Concrete“, zeichnet sich in der Intimität zweier Körper aus, die die Grenzen zwischen physikalischer und sozialer Fusion, zwischen Sex und Tanz, Symbiose und Parasitismus untersuchen.

Rumänien im post-revolutionären Trauma ist der Hintergrund auf dem Mădălina Dan und Sergiu Matiș ihre gemeinsame Geschichte aufbauen: ihr Weg durch den Tanz, den sie in den ’90 in rumänischen Choreographieschulen begonnen haben. „All that mattered“ ist eine FAPT-Produktion aus dem Jahr 2015, die inzwischen in Berlin weiterentwickelt wurde und die zum Abschluss der Ausgabe 2017 gezeigt wird.

Das FAPT veranstaltet dieses Jahr zum ersten Mal einen Choreographie-Workshop für Kinder,  initiiert von Modjgan Hashemian und Oana Cirpanu, sowie ein Bewegungs-Workshop für Schauspieler oder Tänzer, Profis oder Anfänger, gestaltet von dem Choreographen und Tänzer Shanti Vera. Beide Workshops werden öffentliche Präsentationen haben.

 Die nahe Vergangenheit, die Autobiographie als performative Untersuchung, die Interaktion zwischen Profis und Laien, soziale Choreographien, der Körper als politischer Akteur sind wiederkehrende Themen des Festivals für Performative Künste Timișoara. Sie widerspiegeln sich betont oder angedeutet in jeder Ausgabe des Festivals. 2017 stehen die Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Raum im Fokus, dort, wo die Darstellung des Körpers eine Form  angenommener Fragilität ist: Wie viel von dem, was wir sind, geht nur uns was an? Wie viel von dem, was wir sind, geht auch die anderen an? (Ciprian Marinescu, Kurator)

 

 

 

 

AFIS_2017

 

 

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